Frankreich 1992Reisetagebuch unserer VW-Bus-Reise vom 22.08.1992 bis zum 31.08.1992
1. Tag: Samstag, den 22.08.1992 Wir haben zunächst in Frankfurt-Bornheim ordentlich ausgeschlafen und nach einem gemütlichen Morgen in bester Urlaubsstimmung packte auch Heike endlich ihre 7-Sachen und los ging es. Nachdem Klaus in der Woche zuvor den mit 14 Jahren nunmehr schon recht betagten VW-Bus durchgesehen und auch die schadhafte rechte Antriebswelle ausgetauscht hatte, starteten wir voller Optimismus. Doch schon kurz vor dem Frankfurter Kreuz, noch auf der A3, hörten wir die linke Hinterachse erstmals klappern. DAS FÄNGT JA GUT AN! Nun denn, wir lassen uns doch nicht so einfach den Urlaub verderben und fahren einfach weiter. Der erste Streckenabschnitt war genau wie vor 2 Jahren: von Ffm über die Autobahn nach Bingen, dann über Bad Kreuznach und Idar-Oberstein (Edelsteinstraße) nach Trier. Kurz nach Idar-Oberstein rasteten wir in einem kleinen Seitenweg an einem kleinen Bach und verspeisten unseren noch aus Bornheim stammenden Käse mit morgens frisch eingekauftem Brot. Von Trier über Luxemburg sind wir über Landstraßen gleich nach Frankreich - ohne Grenzkontrollen - gefahren (Longwy - Sedan). Zwischen Sedan und Charleville Mezieres haben wir unseren angestammten Schlafplatz an dem malerischen See nahe der Straße sofort wiedergefunden. Allerdings fuhren wir dieses Jahr nicht zu nahe ans Ufer, denn es sah irgendwie nach Regen aus und wir hatten mit den verschlammten Feldwegen dort ja schon unsere einschlägigen Erfahrungen gemacht. Zunächst machten wir wieder einen kleinen Spaziergang am See und lasen dann noch etwas in der mitgebrachten Lektüre. Abends aßen wir dann die Reste unserer mitgebrachten Vorräte.
2. Tag: Sonntag, den 23.08.1992 Dieses Jahr haben wir hier am See immerhin bis 8.00 Uhr geschlafen, doch dann meldete sich bei Klaus überraschenderweise eine akute Non-Stop-Verdauung an, die wir zunächst jedoch gar nicht richtig ernst genommen haben. Über Charleville sind wir zunächst nach Hirson gefahren und haben dort wie schon vor zwei Jahren in einer kleinen gemütlichen Bar gefrühstückt. Diesmal jedoch am anderen Ende der Stadt. Über St. Quentin und Amiens ging es dann weiter Richtung Rouen. Kurz hinter Aumale fanden wir einen netten Platz in einem Steinbruch, den wir aber leider nach polizeilicher Aufforderung wieder verlassen mussten. Wir verschwanden nach kurzer Pause aus dieser ungastlichen Gegend und fuhren über viele kleine Nebenstraßen nach Neufchatel. Dort konnten wir dann in der Nähe der Autobahn am Waldrand ungestört übernachten. Zuvor haben wir nach einem ausgiebigen Stadtrundgang durch den kleinen Ort das erste Mal in Frankreich gegessen, ein schönes Menü in einem kleinen Restaurant direkt an der Hauptstraße. Klaus' Innereien hatten sich scheinbar auch wieder einigermaßen beruhigt.
3. Tag: Montag, den 24.08.1992 Nach einer gründlichen Morgentoilette waren wir zuerst im örtlichen Supermarkt einkaufen. Nicht nur hier, sondern insgesamt waren die Preise für Lebensmittel in Frankreich relativ hoch, wie wir bereits vor zwei Jahren festgestellt hatten. Dann haben wir in einer kleinen Bar in Neufchatel gemütlich gefrühstückt. Daraufhin wurde erst einmal getankt und wir machten uns auf nach Rouen. In Rouen, nach ausgiebiger Parkplatzsuche, denn der VW-Bus passte nicht in die Tiefgarage mit 1,90 m Höhe, erstanden wir eine neue, idiotensichere Kamera, nachdem Klaus' alter Fotoapparat leider streikte. Wir bummelten dann ausgiebig durch die Stadt und machten zwischendurch Pause in einem kleinen Cafe in einer Fußgängerzone. Danach fuhren wir die Seine entlang und bei St. Wandrille fanden wir in der Nähe eines alten Klosters einen wunderschönen Schlafplatz mitten im Wald. Abends aßen wir in einer Fernfahrerkneipe an der Hauptstraße sehr gut und alles für 110 Francs: Zunächst eine Vorspeisenplatte, als Hauptgericht ein Rindersteak (wieder "falsch" geschnitten) mit Pommes, danach eine Käseplatte, zum Schluss einen Flan und Kaffee und natürlich Rotwein und Wasser inklusive. Abends im Bus leerten wir dann noch gemütlich eine mitgebrachte Flasche Rotwein.
4. Tag: Dienstag, den 25.08.1992 In dem schönen Ort Caudebec genossen wir nach dem späten Aufstehen und kurzer Weiterfahrt zunächst ein herrliches Frühstück mit hausgemachtem Kuchen und viel Kaffee. Später kauften wir Lebensmittel und Postkarten und suchten zwecks Erwerb von notwendigen Postwertzeichen das örtliche Postamt und, nachdem wir es gefunden hatten, auch auf. Die Wetterkarte der zwischenzeitlich käuflich erworbenen Regionalzeitung war ein großer Flop, da sie ebenfalls nur sehr regional war und darüber hinaus nur schwarze Wolken über den nächsten 2 Orten der Umgebung zeigte. Die anschließende Weiterfahrt brachte uns dann eine ganz andere Ansicht von Frankreich, wie wir es bisher nicht kannten. Zwischen Lillebonne und Le Havre fuhren wir durch ein apokalyptisches Industriegebiet, geprägt von durch Höchst, Bayer und Exxon verursachten, rabenschwarzen Rauchschwaden. Bei Tancarville überquerten wir die Seinemündung und sind dann ein sehr schönes Küstenstück auf einer Nebenstraße bis Hontleur gefahren. Danach erreichten wir ein schreckliches Touristengebiet zwischen Deauville und Cabourg. Heike war sehr enttäuscht, da sie sich hiervon mehr versprochen hatte. Wir fuhren daher von der Küstenstraße ab und hielten nur kurz an um eine Kleinigkeit zu essen und um Heike die Gelegenheit zu geben, sich in die Brennnesseln zu setzten.
Da es uns in dieser Gegend überhaupt nicht gefallen hat, sind wir schnell weiter gefahren bis Bayeux. Wir fanden auch unseren alten Schlafplatz, den wir vor zwei Jahren schon zweimal genutzt hatten, sofort wieder, doch hatten die Franzosen die Frechheit besessen, die Straßenführung zu ändern und direkt an unserem "verschwiegenen" Platz vorbeizuführen. Außerdem wurde auch noch der dorthin führende Feldweg als Jauchegrube missbraucht. Nach einer längeren erfolglosen Suche nach einem adäquaten Ersatzplatz sind wir über La Fotelaie bis kurz hinter St. Jaen-de-Daye gefahren. Dort fanden wir auf einem stillgelegten Straßenstück einen netten Übernachtungsplatz. Abends aßen wir in einem kleinen Restaurant an der Hauptstraße.
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