|
Reisetagebuch Italien 2005
|
|
4. Tag: Dienstag, den 29.03.2005 Relativ früh standen wir alle am nächsten Morgen auf, denn die strahlende Sonne verlangte einfach irgendwie nach "Aktion". Nach dem Frühstück legten wir daher sogleich ab und fuhren weiter den Fluss Sile hinab bis an dessen Ende in der Lagune von Venedig.
In der Lagune von Venedig sind die Fahrrinnen durch dicke Pfähle (Briccole) deutlich gekennzeichnet. Trotzdem sollte man jederzeit gut aufpassen, welchen Kurs man einschlägt und seine Position immer wieder mit der Karte vergleichen.
Wir fuhren alsbald an Torcello vorbei. Torcello, einst ein bekannter Handelsplatz und ab dem 7. Jahrhundert für 900 Jahre Bischofssitz, ist letztlich die Urzelle Venedigs - von hier aus begann die Besiedlung der Rest-Lagune. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass hier einmal eine blühende Stadt mit über 50.000 Einwohnern existierte. Heute leben dort noch gerade mal 50 Menschen. Torcello war bereits eine blühende Stadt, als es Venedig noch gar nicht gab. Sie wurde aber immer mehr von Venedig überflügelt und schließlich verdrängt. 1966 nahm dann ein verheerendes Hochwasser den Landwirten auch noch die Existenzgrundlage.
Von Torcello ist Burano nur durch einen schmalen Kanal getrennt. Burano ist eine der größeren Inseln in der Lagune von Venedig. Typisch für diese Insel sind die vielen kleinen, in kontrastreichen Farben gestrichenen Häuser. Hier wohnen etwa 5.000 Menschen, die zu einem erheblichen Teil noch vom Fischfang oder der Fischzucht leben. Andere fahren zur Arbeit nach Murano oder Venedig. Keine Bedeutung mehr hat allerdings die Spitzenmanufaktur, die Burano einstmals berühmt gemacht hat. Lediglich in der Spitzenschule (Scuola die Merletti) beim "Museo dei Merletti" wird die Tradition noch gepflegt. Doch es gibt jedoch noch Ausnahmen. Wir konnten eine Einheimische beim Klöppeln beobachten. Echte Burano-Spitze ist nach wie vor reine Handarbeit und sehr teuer, aber auch sehr wertvoll.
Für die meisten touristischen Besucher gilt jedoch immer noch: was für Murano das Glas, sind für Burano die Spitzen. Allerdings sind die in den zahlreichen Geschäften für Touristen angebotenen Waren von eher minderwertiger Qualität, oftmals maschinell in Fernost hergestellt.
Wir umrundeten die gesamte Insel mit unserem Motorkreuzer auf der Suche nach einem Liegeplatz, den wir schließlich auf der mit einer kleinen Brücke verbundenen Nachbarinsel Mazzorbo fanden.
Wir gingen zu Fuß ins Städtchen von Burano, wo sich uns ein pittoreskes Bild bot. Jedes Häuschen ist in einer anderen Farbe gestrichen, Wäsche hängt zum Trocknen auf Wäscheleinen vor den Fenstern oder im Hof, schmale Kanäle winden sich durch den interessanten Ort, enge "calle" geben den Blick frei auf malerische Hinterhöfe. Die "Hauptstraße" war natürlich voller Touristenfallen, aber nur 1 bis 2 Gassen weiter findet man oftmals eine sehr malerische Atmosphäre vor. Wir schlenderten durch die engen Wege, kehrten zum Essen ein, gingen "shoppen" und anschließend wieder zum Boot zurück. An Bord unserer Motoryacht genossen wir die zuvor gekauften typischen Burano-Kekse und marschierten zu viert später nochmals los, um Getränke zu besorgen. Arne hat bei unseren Spaziergängen bereits zwei kleine Häuser gefunden, die er am liebsten als Ferienhaus erwerben würde, um den Sommer in der Lagune von Venedig zu verbringen. Leider hat er bisher noch niemanden gefunden, der die ganze Sache finanziert. Aber was nicht ist, kann ja durchaus noch werden ...
Abends, wenn die Tagestouristen die Insel verlassen, ist es dann sehr, sehr ruhig. Wir fanden nur mit Mühe noch ein Restaurant, das geöffnet hatte. Dort waren wir die letzten Gäste. Arne und Klaus labten sich zunächst an frischen Muscheln, dann an Seezunge mit gemischtem Salat. Ilse und Karl-Heinz begnügten sich mit Lasagne. Heike aß als Vorspeise Rissotto und dann ebenfalls Fisch. Mit Grappa, Lemoncello und Eis mit Sahne schlossen wir die schmackhafte Mahlzeit ab und gingen durch das zwischenzeitlich fast menschenleere Städtchen an Bord unseres gecharterten Motorbootes zurück um zu schlafen. |