Reisetagebuch Italien 2005



    2. Tag: Sonntag, den 27.03.2005

    Ab 7.30 Uhr läuteten im Stundentakt lautstark die Kirchenglocken zum Gottesdienstbesuch. Es war unverkennbar Ostern! Nach dem Aufstehen versteckte der Osterhase Arne die Ostereier an Bord und deckte auch noch den Frühstückstisch. Danach ging die fröhliche Eiersuche los. Gemütlich wurde dann später gemeinsam gefrühstückt.


    Cendon Cendon


    Gegen 11.30 Uhr legten wir in Cendon ab und fuhren ohne weiteren Aufenthalt Richtung Portegrandi. Arne, Karl-Heinz und Heike lösten Schiffsführer Klaus unterwegs beim Steuern ab. Ilse sorgte derweil für die Verpflegung zwischendurch.


    Karl-Heinz Bartram auf dem Fluss Sile Fluss Sile


    Irgendwie waren wir unterwegs nicht aufmerksam genug und vernachlässigten wohl auch das ordnungsgemäße Kartenstudium ein wenig, so dass wir schließlich in Jesolo landeten (allerdings ohne es gleich zu merken).


    Fluss Sile Fluss Sile


    Es gab bei recht schönem Wetter für die Bootsreisenden sehr viel zu sehen. Eine Schwimmbrücke musste für uns und ein zufälligerweise gleichzeitig entgegenkommendes Hausboot geöffnet werden.


    Fluss Sile Fluss Sile


    Wie so oft auf unserer gesamten Strecke in Italien gab es hier nur wenig Anlegemöglichkeiten. Was in den Monaten März oder April vielleicht eher nur lästig ist, ist in der Hochsaison, wenn wesentlich mehr Boote unterwegs sind, sicherlich ein ernstes Problem für die Bootsfahrer. Ohne rechtzeitige Voranmeldung wird dann da wohl auch in den privaten Sportboothäfen kaum was zu finden sein.
    In Jesolo standen wir unerwarteterweise auf einmal vor einer Hebebrücke, die am Feiertag (Ostern) geschlossen blieb. Wir näherten uns vorsichtig der Brücke, aber sie war eindeutig zu niedrig beziehungsweise unser Kabinenboot zu hoch. Wir hatten uns zwar zuvor zwecks Routenplanung bei unserem Hausbootvermittler erkundigt, ob die Schleusen während der Osterfeiertage geschlossen seien, und uns wurde auch glaubhaft versichert, dass dem wegen der Berufsschifffahrt nicht so sei, aber offensichtlich galt dies nicht für alle Hebebrücken.


    Jesolo Jesolo


    Auch vor dieser Brücke gab es keinen Anlegesteg oder ähnliches, wie wir es aus anderen Ländern gewohnt waren. Wir hatten auch keine Lust viele Kilometer zurück zu fahren. Also nutzten wir unsere Erfahrungen des "Bank Mooring" aus mehreren Bootsfahrten in Frankreich, Irland und insbesondere aus Finnland und machten an drei Bäumen am Flussufer fest. Sehr zum Erstaunen von Passanten und Anwohnern. Nach dem erfolgreichen Manöver - schließlich mussten wir uns vorsichtig an das Ufer herantasten, da wir nicht wussten ob es tief genug ist - erkundeten Arne und Klaus die örtlichen Begebenheiten und Restaurants. Dann hieß es wieder Ausruhen, Lesen und Vorlesen.


    Jesolo Jesolo

    Gegen 19.30 Uhr machten wir uns alle Richtung Zentrum auf den Weg und landeten schließlich im Restaurante "Antica Jesolo". Hier gab es eine freundliche Bedienung mit guten Deutschkenntnissen. Das Essen war super, diesmal sogar echt italienische Küche. Es gab Pizza Salami für Arne, Krabbensalat als Vorspeise für den Rest der Familie. Heike und Klaus schafften sogar einen "Secondi", nämlich Spaghetti mit Meeresfrüchten bzw. Gnocchi mit Krabben. Als Hauptspeise gab es Seezunge (Ilse und Heike), Filetsteak für Karl-Heinz und Fischplatte für Klaus. Arne aß fleißig bei den Meeresfrüchten mit. Vollkommen gesättigt spazierten wir zum Boot zurück und erlösten Arne von seiner Krimispannung, indem er gnädigerweise auch noch das letzte Kapitel aus seiner Reiselektüre vorgelesen bekam. Währenddessen diskutierte der Rest der Mannschaft die weitere Fahrstrecke, nachdem nun entgültig feststand, dass wir wider Erwarten tatsächlich in Jesolo - am nördlichsten Rand der Lagune - gelandet waren. Schließlich hatte es uns die nette Bedienung im Lokal ausdrücklich bestätigt.


      Jesolo ist ein bekanntes Seebad an der italienischen Adria (25.000 Einwohner). Mit über 80.000 Betten ist der Ort heute ein sehr beliebtes Urlaubsziel. Im frühen Mittelalter erlebte die Stadt ihre erste Blütezeit, die vor allem dem Handel, der Flussschifffahrt und der Salzgewinnung zu verdanken war. Später verlor Jesolo wieder an Bedeutung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann ein erneuter Aufschwung, der diesmal dem Fremdenverkehr zu verdanken war. Heute besuchen jährlich über fünf Millionen Urlauber die 40 km östlich von Venedig gelegene Küstenstadt.


    Bei einer Tasse Tee begannen wir unser Reisetagebuch zu schreiben. Erst nach Mitternacht gingen wir alle müde in unsere Kabinen.