Venedig 2005

    Reisetagebuch unserer Italien-Reise vom 26.03.2005 bis zum 06.04.2005

Italien



    1. Tag: Samstag, den 26.03.2005

    Um 6.15 Uhr hieß es aufstehen, denn bereits um kurz vor 7.00 Uhr musste die S-Bahn zum Flughafen erreicht werden. Klaus und Arne hatten bereits am Freitag Abend am Lufthansa-Schalter eingecheckt und unser Gepäck aufgegeben, so dass allen Mitreisenden ein noch früheres Aufstehen zu gänzlich "unchristlicher" Stunde erspart wurde. Ilse und Karl-Heinz ließen sich vom Bruder/Schwager zum Airport bringen.
    Um 7.45 Uhr trafen wir uns in der Abflughalle und gingen dann gemeinsam gleich weiter zum Sicherheitscheck. Dort verursachte Klaus einen mittelgroßen Aufruhr, weil er in seinem Handgepäck neben Fernglas, Kompass und Winkelmesser auch einen Zirkel zur Navigation dabei hatte. Selbiger Stechzirkel wurde vom Sicherheitsbediensteten als gefährliche Waffe eingestuft und die Mitnahme kategorisch verweigert. Eine herbeigerufene Beamtin des Bundesgrenzschutz machte dann den Kompromissvorschlag, die Tasche samt Inhalt noch schnell beim nahegelegenen Business-Schalter der Lufthansa als Gepäckstück aufzugeben. Weitere Gegenstände, die als Waffen sicherlich weit besser geeignet wären - wie Gürtel, Schnürsenkel und Socken - durfte Klaus glücklicherweise anbehalten und wir konnten sodann ungehindert zum Flugsteig gehen. Der Flug verlief ohne weitere Zwischenfälle und wir landeten pünktlich nach gut einer Stunde Flugzeit auf dem Flughafen Marco Polo. Nach der Gepäckabfertigung trafen wir sogleich auf den vom Bootsvermieter geschickten Taxifahrer. Bequem erreichten wir unsere Marina Houseboat Holidays Italia in der Nähe von Casier am Fluss Sile und konnten sofort unser reserviertes Boot übernehmen.


    Elegance


      Bereits die Etrusker gruben Kanäle aus und schufen künstliche Wasserwege im Bereich der oberen Adria. Die Römer erweiterten später die etruskischen Kanalbauten. Herzstück dieses teilweise noch heute funktionierenden Wasserstraßennetzes ist die mit Inseln und Sümpfen gespickte Lagune von Venedig. Mit einer Fläche von 55.000 Hektar ist sie heute Italiens größtes Feuchtgebiet und gleichzeitig eine in Europa einzigartige Natur- und Kulturlandschaft, geprägt von Gezeiten, Meeresströmungen, Kanälen und Deichen. Weite Teile der Lagune sind ein Reich der Stille, der Wasservögel und einsamer Fischer. Man benötigt in Italien im Gegensatz zu Deutschland keinen Bootsführerschein oder sonstige Lizenzen um ein Hausboot zu steuern, allerdings sind nautische Grundkenntnisse sehr empfehlenswert, denn die Navigation ist - zumindest nach unseren Erfahrungen - nicht ganz so einfach wie in anderen Ländern - beispielsweise Irland, Schottland oder Frankreich.

    Wir hatten unser Charterboot bereits im Februar per Internet bei der Freizeit-Kapitän-Agentur Dörge in Krefeld online bestellt und alles war bestens vorbereitet. Den üblichen Papierkram erledigten wir in Rekordzeit. Die technische Einweisung (auf italienisch) war zwar nur kurz, aber schließlich sind wir ja mittlerweile schon "alte Hasen" und die Hausboote unterscheiden sich letztlich nicht allzu sehr. Unser Boot vom Typ "Elegance", erst ca. 1 Jahr alt, war 13,50 m lang und 4,10 m breit, hatte einen großen Aufenthaltsraum, 3 Schlafkabinen, 3 Bäder mit Dusche, WC und Waschbecken, Zentralheizung und Klimaanlage, heißes und kaltes Wasser, Kühlschrank, Mikrowelle, Gasherd mit Grill und Backofen, Innen- und Außensteuerstand sowie Bugstrahlruder.


    Elegance Elegance


    Der freundliche Techniker der Marina verließ uns nach ein paar hundert Metern Fahrt an der ersten Drehbrücke, winkte uns kurz zu und wir fuhren weiter nach Casier ins Stadtzentrum zum Einkaufen. Es war zwar bewölkt aber trocken und nicht kalt. Gleich nach dem Anlegen stürmten wir eilig in den nahegelegenen Supermarkt, denn die Geschäfte schlossen um 12.30 Uhr zur Mittagspause. Wir deckten uns zunächst nur mit dem Nötigsten ein. Zurück an Bord machten wir uns dann einen kleinen Imbiss und genossen erst mal in Ruhe ein paar Tassen Kaffee. Arne fütterte Enten und Schwäne.


    Casier Casier

    Kurz nach 15.00 Uhr spazierten Ilse, Arne und Heike nochmals ins Zentrum um in Ruhe noch weitere Lebensmittel für die Fahrt einzukaufen. Da aber erst um 15.30 Uhr Öffnungszeit war, gingen sie zunächst in eine Kaffeebar. Danach besorgten sie noch frisches Obst und Gemüse und kamen wieder zurück auf das Hausboot. Dann hieß es erst mal die ganzen Klamotten auspacken und gleichmäßig an Bord zu verteilen.


    Casier Casier


    Wir überlegten zunächst in Casier zu bleiben, aber kurzentschlossen fuhren wir doch noch 4 km weiter auf dem Fluss Sile. Der Flusslauf windet sich durch eine eindrucksvolle Landschaft mit zahlreichen Villen in herrlichen Gärten. An den Ufern des Flusses warten viele kleine Dörfer und idyllische Städtchen auf einen Besuch. Wir fuhren bis nach Cendon. Nach dem Anlegen machten wir uns sogleich auf die Suche nach einer Gaststätte für das Abendmahl. Erst nachdem wir den Ort komplett umrundet hatten, stellten wir fest, dass die unscheinbare "Hafenkneipe" direkt am Anlegesteg auch ein Restaurant war.


    Cendon Cendon


    Unser ursprünglich erhofftes typisch italienisches Abendessen konnten wir allerdings dort nicht bekommen, denn an diesem Abend wurde hier ein "spanischer Abend" veranstaltet mit Paellaessen und Sangria. Wir gingen erst mal wieder an Bord unseres Charterbootes, färbten Ostereier, lasen und ruhten uns aus, um dann frischgestärkt gegen 19.00 Uhr die Kneipe zu stürmen. Vor 20.00 Uhr gab es allerdings kein Essen, also hielten wir uns eine Stunde an unseren Getränken fest, doch die Zeit verging nichtsdesdotrotz recht schnell. Das spanische Mahl schmeckte hervorragend. Vorspeise: Dreierlei aus geschmorten Paprika & Pepperoni, Kartoffeln mit Pilzen und Lammkotelett; danach Paella mit sehr viel Meeresfrüchten. Dazu gab es leckeren Rotwein aus der Region und Mineralwasser. Gesättigt und zufrieden gingen wir die paar Schritte aufs Boot zurück. Dort angekommen entdeckten wir, dass im nahegelegenen Kirchhof ein Osterfeuer entzündet worden war und Arne, Klaus und Karl-Heinz wollten sich das Geschehen näher ansehen. Allerdings machte Opas "Achillessehne" beim eleganten Sprung an Land nicht ganz mit, so dass er nun noch mehr humpelte. Nach ein paar weiteren Gläschen Wein an Bord ging es in die Kojen. In der Nacht war das ständige Läuten der Kirchturmuhr zu hören.