Irland 1994

Reisetagebuch unserer Shannon-Reise vom 23.04.1994 bis zum 07.05.1994


Irland


    1. Tag: Samstag, den 23.04.1994

    Am ersten Urlaubstag musste Langschläfer Klaus bereits um 6.10 Uhr aufstehen. Nach der Fahrt zum Flughafen Frankfurt, dem Einchecken und einem kleinen Morgenkaffee ging es nach entsprechender Wartezeit los Richtung Flughafen Shannon. Beim Landeanflug wurden wir von den ersten Ausläufern eines Atlantiktiefs mit Regenschauern begrüßt. Mit einem großen Reisebus, der auch schon bessere Tage gesehen hatte, besetzt mit nur einem Dutzend Personen, wurden wir mit Zwischenstationen bei anderen Marinas, zu unserem Heimathafen von Carrick Craft in Banagher gefahren. Da dort gerade Mittagszeit war, und somit das Büro auch nicht besetzt, nahmen wir ebenfalls im nahegelegenen Ort einen kleinen Lunch zu uns. Gegen 14.00 Uhr ging es dann mit einer kurzen theoretischen und praktischen Einführung bei der Übergabe des Bootes weiter. Unser erst zehn Monate alter Kabinenkreuzer "Carlow" war reinster Luxus: Badezimmer mit WC und Dusche, Schlafzimmer mit thermostatgesteuerter Heizung, Einbau-Küche mit Kühlschrank, Dunstabzug, 4-flammigem Gasherd mit Backofen und Grill, sowie eine große und bequeme Sitz- und Liegeecke mit Stereo-Radio-Kassettenrekorder, die uns für unser Nachmittagsschläfchen noch gute Dienste leisten würde. Außerdem hatte das Boot eine überdachte Fahrerkabine, die wir noch häufig als Wintergarten nutzen sollten. Der Steuerstand war luxuriös, ausgestattet mit Schiebedach, Sitzbänken, Sportlenkrad und mehr als 20 Schaltern, Hebeln und Instrumenten. Und am Bootsheck befand sich noch ein "Balkon" mit Sitzecke und "Gartentür".

    Carlow

    Nach einem kurzen Einkaufsbummel fuhren wir den Shannon hinauf, und zwar bis nach Shannonbridge, dem südlichsten Punkt unserer letztjährigen Bootstour. Wegen des extrem hohen Wasserstandes konnten wir diesmal an dem neuen Hafenkai jedoch nicht anlegen, da dieser tief unter Wasser stand. Wir machten daher auf der anderen Seite der Brücke - am ehemaligen Hochkai - fest. An lediglich zwei Anlegestellen machten dann insgesamt fünf Boote fest. Am frühen Abend nahmen wir unser erstes Mahl auf dem Schiff ein: Toast, Schinken, Käse und Sandwichfillers. Recht bald gingen wir in den uns schon bekannten Pub KILLEEN'S, in dem auch heute wieder Life-Musik geboten wurde. Nach so einigen Guinness, lrish-Coffee und Bailey's gingen wir kurz nach Mitternacht in unsere Kojen.

    Irland Irland



    2. Tag: Sonntag, den 24.04.1994

    Gegen 11.00 Uhr wachten wir auf. Wie immer hatten alle anderen bereits den Hafen verlassen. Nach einem gemütlichen Frühstück an Bord mit Toast, Orangenmarmelade und Kaffee gingen wir in einem kleinen Laden im nahegelegenen Ort einkaufen. Kurz vor dem nächsten Regenschauer gelangten wir auf das Boot zurück und wollten unsere Fahrt fortsetzen, aber das Boot sprang nicht an ...???!! Was nun ??? Wir kehrten in den Ort zurück, fanden einen Laden, der auch Telefonkarten verkauft, und riefen bei dem Bootsvermieter an. Wie sich bei dem Telefonanruf bald herausstellen sollte, hatten wir offensichtlich nur ein kleines Problem mit der etwas komplizierten (Dreh-Vorglüh-Eindrück-Weiterdreh-Anlass-)Technik unseres Startschlosses, die uns bei der Einführung am Vortag anscheinend nicht ganz so eindeutig vorgeführt worden ist. Naja, wenn das alles war. Der erneute Startversuch klappte nun sofort, und wir fuhren alsbald den Fluss stromabwärts bis zur Einmündung des Grand Canal. Vor der Schleuse Nr. 36 (von Dublin aus gesehen) legten wir zur Mittagspause an. Es herrschte ein recht starker frischer Wind und so tat die "teatime" gut.

    Irland Irland


    Trotz des heftigen Seitenwindes klappe das Wendemanöver schon beim zweiten Anlauf und wir fuhren in den Shannon zurück, der streckenweise nur durch die roten und schwarzen Bojen von den überfluteten Wiesen zu unterscheiden war. Gemütlich fuhren wir bis Banagher zurück und machten außerhalb der Marina von Carrick Craft im alten Hafenbecken fest. Zum Abendessen gab es Rühreier mit gebratenem Schinken, sowie gebackene Bohnen mit Tomatensauce, und dazu reichlich Toast. Mit den traurigen Resten fütterte Klaus unseren abendlichen Besucher, einen Schwan, der sich selbst über den angebrannten Toast freute. Nach dieser Anstrengung gingen wir früh ins Bett, denn insbesondere Heike musste sich erst an den Urlaub gewöhnen.

    Irland Irland



    3. Tag: Montag, den 25.04.1994

    Strahlender Sonnenschein und toller blauer Himmel begrüßten uns am Morgen. Nach Kaffee und Toast im "Wintergarten" wurde ersteinmal heiß geduscht - welch ein Luxus, wenn man im Gegensatz zur "EDEL" nun zu jeder Tages- und Nachtzeit über warmes Wasser verfügen konnte. Danach ging es zum Einkaufen in die Stadt, und wir erstanden außerdem einen original irischen Pullover für Klaus.

    Irland Irland

    Nun nahmen wir Kurs Richtung Süden und fuhren über Meelick zu unserer ersten richtigen Schleuse auf dieser Tour: Meelick Lock. Wir konnten sofort abschleusen und bei herrlichem Sonnenschein fuhren wir den breiten Shannon hinunter, an verwunschenen Inseln und kleinen Wäldchen vorbei. Die Portumna Bridge erreichten wir gerade noch rechtzeitig, um vor dem Schließen noch durchfahren zu können. Diese Brücke muss nämlich grundsätzlich für alle Schiffe geöffnet werden, was nur 6 mal am Tag erfolgt. Wir ersparten uns somit bis zu zwei Stunden Wartezeit. Direkt hinter der Brücke legten wir an, entrichteten den obligatorischen Obulus an den Brückenwärter und machten dann Teepause. Um den Steg jedoch nicht für ankommende Boote zu blockieren, fuhren wir recht bald weiter. Eigentlich völlig unnötig, denn es kam uns kein weiteres Schiff entgegen.

    Irland Irland

    Nach kurzer Zeit kam die Einfahrt in den Lough Derg und wir nahmen Kurs auf Portumna Castle. Auf dem See herrschten bereits ganz andere Wind- und Wellenverhältnisse als auf dem Fluss. Wir legten als zweites Boot im geschützten Hafen an und es sollte nur noch ein Kreuzer folgen. Im Hafen angekommen, zog Klaus seinen neuen Pulli an und wir marschierten zu den Klosterruinen im Schlosspark. Dort war es geheimnisumwittert und wir erfreuten uns an den tollen Blumenwiesen und dem frühlingshaften Austreiben der Bäume.

    Irland Irland

    Rechtzeitig vor dem Einsetzen eines stürmischen Regens, der bis in die frühen Abendstunden vorhalten sollte, gelangten wir zum Schiff zurück. Wir kochten Tee, lasen ausgiebig und irgendwann bereitete Smutje Klaus einen Imbiss: überbackenen Käse-Toast mit Schinken und Birnen. Danach begannen wir mit unserem Urlaubstagebuch. Gegen 22.30 Uhr, der Regen hatte längst wieder aufgehört, beobachteten wir dann ein Rudel Hirsche beim Abendspaziergang am Hafen.

    Irland Irland