Reisetagebuch Niederlande 2009



    2. Tag: Samstag, den 01.08.2009

    Bei strahlendem Sonnenschein erwachte Hans lange vor der vereinbarten Zeit (9.00 Uhr), zu der Smutje Arne eigentlich das Frühstück vorbereiten wollte. Seit 8.00 Uhr wunderte Hans sich, dass niemand aufzuwecken war, wurde aber dann allerdings kurz vor Neun eines Besseren belehrt. Wie vereinbart bereitete der Wahlsmutje dann Kaffee und Tee, es gab noch Brot und Marmelade aus den eingeführten Vorräten, da wir noch keine Zeit und Gelegenheit zum Einkaufen gefunden hatten.


    Friesland Friesland


    Nach dem Frühstück beschlossen wir, das Naturschutzgebiet weiter zu durchfahren und beim vielgerühmten Princenhof zum Kaffee anzulegen. Diese Idee hatten jedoch viele Niederländer auch, und es war kein Liegeplatz mehr zu ergattern. Die Route war dennoch sehr schön, es gab an den Ufern viele beeindruckende Ferien- und Wochenendhäuser zu sehen. Wie gestern herrschte wieder reger Betrieb und so disponierten wir kurzfristig um und fuhren Richtung Grou, einem Wassersportzentrum mit laut unserer Karte vielen Liegeplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und Cafés und Restaurants. Über den Grietmansrak und die Kromme Ee gelangten wir auf den Sijtebuurster See, an dessen Ende man in den Kanal nach Grou einfahren kann. Unterwegs passierten wir auch die erste bewegliche Brücke unserer Tour.


    Friesland Friesland


    Es kamen uns unzählige Segler und Motorboote entgegen, auf den Seen wurde gesurft und Wasserski gefahren. Es hieß also gut aufpassen, dass man keinen Wassersportler versehentlich am Bug als Galionsfigur aufspießte.


    Friesland Friesland


    Grou war vom Wasser aus gesehen wirklich sehr hübsch, aber im Hafen gab es nur noch Liegeplätze für kleinere Boote. So kreuzten wir ungefähr eine Stunde um das Zentrum herum, durchfuhren eine Brücke mit Selbstbedienung und kamen dann zum Point of no return, zumindest für unser Boot, da die folgende Brücke eindeutig zu niedrig für unser Schiff war. Auf dem Rückweg musste dann Arne an der Selbstbedienungsbrücke ausgesetzt werden, damit er den entscheidenden Knopf bedienen konnte. Beinahe hätten wir ihn dort "vergessen"... aber nach einem erneuten Anlegemanöver konnte er wieder an Bord klettern. Da Grou also als Anlegeplatz letztlich nicht in Frage kam, fuhren wir weiter Richtung Akkrum. Über das Pikmeer gelangten wir in das entsprechende Kanalsystem, bis wir vor einer Eisenbahnbrücke halten mussten.


    Akkrum Akkrum


    Hier ging es dann in der obligatorischen Warteschlange überhaupt nicht zivilisiert zu, die kleinen Boote drängelten sich vor die großen, und die Segler kreuzten auch noch irgendwie davor herum. Wie wir immer wieder feststellen konnten sind nicht wenige niederländische Bootsfahrer alles andere als zuvorkommend und rücksichtsvoll. An den Anlegestellen wird festgemacht ohne Rücksicht darauf, ob für nachfolgende Boote noch genügend Platz bleibt. An Brücken und Schleusen wird auf Teufel komm raus gedrängelt. Hierzulande scheint eine Art nautisches Catch-as-catch-can durchaus üblich zu sein. Zweifellos gibt es auch in Holland vorbildliche Bootsfahrer, aber die fallen halt nicht so auf wie die Rüpel. Als die Eisenbahnbrücke aufging, setzte sich der ganze Tross in Bewegung und musste gleich wieder aufstoppen, da die kurz darauf folgende Straßenbrücke ebenfalls geschlossen war. Dabei hatten wir ausreichend Gelegenheit, einen ersten Eindruck von dem Ort zu erhalten, und was wir sahen, versprach viel Gutes. Wir hofften daher, dass wir dieses Mal mehr Glück mit der Suche nach einem geeigneten Liegeplatz hätten. Zunächst passierten wir unzählige private Anlegstellen und der Passantenhafen war leider auch nur für Boote bis 10 Meter ausgelegt. Aber am Ortsausgang neben einer weiteren Brücke gab es noch die Möglichkeit, an der gegenüberliegenden Kanalseite festzumachen, und tatsächlich erspähten wir dort den letzten freien Platz, der aber einiges Geschick beim Anlegen erforderte. Hinter uns registrierten wir zwar einen Drängler mit kleinerem Boot, der es wohl auch auf diese Liegestelle abgesehen hatte, aber wir wendeten rechtzeitig, so dass dadurch dem anderen der Weg versperrt war. Es gelang dem Schiffsführer, unser knapp 14 m langes Motorboot auf Anhieb in eine ca. 16 m Lücke hineinzusteuern. Das war schon eine Leistung! Glücklich machten wir fest und dann gab es erstmal einen kleinen Imbiss für die hungrige Mannschaft.


    Akkrum Akkrum


    Anschließend gingen wir in den Ort, um unsere Vorräte aufzustocken. Im Dorf herrschte reges Treiben, die ganze Hauptstraße war zur Flohmarktzeile umfunktioniert. Wir fanden eine super Bäckerei und auch einen großen Supermarkt. Schwer bepackt gingen wir zurück an Bord, verstauten die erstandenen Vorräte und machten es uns dann in der heißen Nachmittagssonne an Deck gemütlich.


    Friesland Friesland


    Es machte sehr viel Spaß, dem regen Schiffsverkehr auf dem Kanal zuzuschauen. Gegen Abend gingen wir nochmals in den Ort und fanden ein nettes Restaurant mit Terrasse am Wasser. Wir aßen sehr leckeren Fisch (Seewolf und Lachs) und genehmigten uns auch noch Desserts und Kaffee mit Schuss.


    Akkrum Akkrum


    Zurück an Bord ließen wir noch an Deck bei einer Tasse Kaffee den Tag Revue passieren und bezahlten beim örtlichen Hafenmeister die Liegegebühr, der erst zu späterer Stunde unterwegs war. Von Weitem hallten noch die Klänge der Open Air Band und der Abend neigte sich dem Ende zu.