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Reisetagebuch Frankreich 2008
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2. Tag: Freitag, den 10.10.2008 Wir hatten morgens überhaupt keine Eile, denn die Weiterfahrt mit dem Zug von Montpellier bis Lézignan-Corbières mit Umsteigen in Narbonne war für 11.44 Uhr angedacht. Zugfahrpläne hatten wir bereits aus dem Internet. So genossen wir den herrlichen, fast sommerlich warmen Morgen auf der großen Terasse vor dem Wohnzimmer und entschlossen uns, in der weitläufigen Appartementanlage zunächst nach einem kleinen Schwarzen Ausschau zu halten. Fündig wurden wir wieder in der Bar/dem kleinen Restaurant, in dem wir auch den Vorabend verbracht hatten. So gab's erstmal frischen Kaffee und Kakao (für den Minderjährigen), dann schnappten wir uns unser Gepäck und ließen uns per Taxi zum Bahnhof in Montpellier bringen. Dort wollten wir an einem der Ticketautomaten "schnell" unsere Fahrkarten ziehen, endeten dann aber doch in der recht langen Warteschlange vor den regulären Verkaufsschaltern, da die Automaten zum einen unsere bargeldlose Zahlungsweise nicht akzeptierten, darüber hinaus keine Geldscheine annahmen und wir nicht Münzen in Höhe von über 50 Euro bei uns führten. Erst knapp vier Minuten vor Abfahrt hatten wir dann unsere Fahrscheine zusammen (das regte die Dame am Schalter aber überhaupt nicht auf) und wir erreichten gerade noch so den Zug. Ansonsten hätten wir zwei Stunden auf die nächste Verbindung warten müssen. Die Zugfahrt bis Narbonne verlief ohne besondere Vorkommnisse, das Umsteigen klappte problemlos, der Anschlusszug stand bereits da. In dem kleinen Ort Lézignan kam auch gerade ein Taxi, als wir den Bahnhofsvorplatz betraten, das uns zu unserer Marina von Locaboat Holidays am Port Occitanie in Argens-Minervois kutschierte. Gegen 13.30 Uhr kamen wir an.
Dort wurden wir sogleich freundlich begrüßt und konnten sofort alle Formalitäten erledigen und das Gepäck auf unser bereitstehendes Charterboot bringen. Der Techniker war kurz zuvor mit dem Check-Up des Schiffes fertig geworden.
Wir konnten beobachten, wie auf einem Hausboot zwei Reihen neben dem unseren gerade eine technische Einweisung der Neukapitäne stattfand. Unser Boot "Gemini" vom Typ Europa 600 gefiel uns gleich auf den ersten Blick; auch wenn - wie sich später herausstellte - die Prospektunterlagen und der DVD-Film etwas zu viel versprochen hatten; dennoch hatten wir in der Tat eine Art kleines Luxus-Hotelschiff angemietet.
Ursprünglich wollten wir für unsere schon länger geplante Süd-Frankreich-Bootstour eigentlich wieder den gleichen Schiffstyp nehmen, den wir bereits bei unserer Bootsreise in Venedig gebucht hatten. Hans-Georg Dörge von der Vermittlungsagentur Freizeitkapitän in Krefeld, über den wir nicht zum ersten Mal ein Boot gechartert hatten, gab Klaus jedoch den Tipp zu einer neuen 5-Sterne-Bootsklasse.
Zusammen mit der Zahlungs- und Buchungsbestätigung und weiteren Unterlagen kam Anfang September per Post auch eine DVD des Bootsvermieters. Sehr aufwendig gemacht und mit sehr vielen vollmundigen Versprechungen, die in der Praxis allerdings nicht alle in der dargestellten Weise erfüllt wurden. Das Teak-Holz-Deck blieb ohne aufstellbaren Sonnenschutz. OK, hier waren die Erklärungen des örtlichen Leiters der Marina durchaus nachvollziehbar. Zum einen in der Gegend immer wieder aufkommende plötzliche Winde sowie die an den Seitenrändern des Kanals teilweise tief herabhängenden Äste würden einen Sonnenschirm sicherlich ziemlich schnell in den Kanal befördern. Auch damit ließ sich leben, dass nicht wie im Film versprochen bei Ankunft wirklich alles vorbereitet sei, selbst die Betten seien bereits bezogen. Es ist ja wirklich kein großer Aufwand, ein paar Decken und Kissen in die bereitliegenden Bezüge zu stopfen. Ob der Motor wirklich mit Rapsöl statt mit profanem Diesel lief, wie in der DVD angekündigt, entzieht sich unserer Kenntnis, vermutlich eher nicht. Wir hatten unseren Laptop mitgenommen, denn im Hochglanzprospekt stand, "falls Sie ihr Notebook mitbringen, fragen Sie nach der drahtlosen Internetverbindung". Dem haben wir folge geleistet, doch dem Bootsvermieter der Marina in Argens-Minervois war das völlig neu. Von dieser Möglichkeit hatten sie dort bisher noch nichts gehört. Zum Leidwesen unseres Knaben hat das Satellitenfernsehen auch nicht so wirklich funktioniert, aber das Abspielen mitgebrachter DVDs hat zumindest geklappt. Nichtsdesdotrotz war die Europa 600 eines der besten Boote, die wir je gefahren haben. Gut zu steuern, sehr komfortabel eingerichtet mit viel Platz und guter Ausstattung.
Die vierköpfige Mannschaft teilte sich auf - Arne und Heike ließen sich mit einem Taxi zu einem großen Supermarkt bringen, um ausreichende Vorräte für die vor uns liegende Woche an Bord einzukaufen, während Klaus und Hans derweil auf die offizielle Übergabe des Bootes warteten. Der designierte Smutje und Heike ließen sich voll bepackt nach einer dreiviertel Stunde von der Droschke wieder abholen. Nach der Ankunft verstaute Arne alle Vorräte auf dem Schiff und dann gab's auch schon die technische Einweisung an Bord. Da wir ja alles alte (bootsfahrtechnisch gesehen) Hasen sind, und Klaus ein wirklich erfahrener Schiffsführer ist und dies wohl auch entsprechend ausstrahlt, gab's nur ein kurze Übergabe mit Hinweis auf die Besonderheiten des Bootes. Klaus musste auch keine Ehrenrunde mit dem Boot vor den Augen des Technikers drehen, nein, wir wurden gleich in die Freiheit der unendlichen Weiten des Canal du Midi entlassen. Nach einer kleinen Kaffeepause mit Eis an Bord - vorbereitet von unserem Smutje Arne - ging's auch schon los. Wir legten gegen sechzehn Uhr in Argens-Minervois Richtung Westen ab. Die Mannschaft durfte sich auch gleich nach einem Kilometer in einer Doppelschleuse beweisen - es gab hierbei seitens des Schiffsführers jedoch keine Beanstandungen. Alles klappte bestens.
Nach weiteren drei Kilometern kamen kurz hintereinander noch drei Schleusen, die wir ebenfalls mit Bravour meisterten. Zwischen der ganzen Schleuserei fand unsere Smutje sogar noch Zeit, einen Snack für uns alle zuzubereiten; und der von ihm komponierte Käsetoast schmeckte wirklich ganz hervorragend und war auch unsere erste richtige Mahlzeit an diesem Tag.
Da im Oktober hier die Schleusen ihren Betrieb um 18.00 Uhr einstellen, war bald eine Weiterfahrt nicht mehr möglich und wir legten für den ersten Abend an Bord in Homps an.
Weil es noch so schön warm war, genossen wir zunächst gemütlich einen Aperitif an Deck und gingen dann anschließend gemeinsam auf Restaurantsuche. Wir wurden auch sehr schnell auf der gegenüberliegenden Seite des Hafenbeckens fündig.
Dort genossen wir heimische Menüfolgen (menue du territoire) mit Krabbencocktail für die drei Erwachsenen bzw. Fischsuppe für unseren Sohn, Ente in Orangensoße für Arne, Hans und Heike, und Truthahnbraten für den Schiffsführer. Danach noch Käseauswahl, Flan und Kaffee. Das reichliche Essen und der Wein zeigte Wirkung und wir mussten daher noch einen kleinen Verdauungs-Spaziergang am Kanalufer und durch die nahegelegene Marina von "Connaisseur" an der frischen Luft machen.
Zurück an Bord schauten wir uns auf dem "Entertainment Center" im Salon noch ein paar Szenen aus Loriots Fernsehcartoons und Sketchen auf DVD an. Gegen Mitternacht ging's dann müde und wohlgenährt in die Kojen. |