Reisetagebuch Frankreich 1998



    3. Tag: Samstag, den 25.04.1998

    Am Morgen verließen wir nach einer Tasse Kaffee den unwirtlichen Hafen am Rande des Industriegebietes und fuhren weiter nach Gondrexange. Dort legten wir an und gingen einkaufen. Zurück an Bord genossen wir ein ausgiebiges Frühstück. Bei strahlendem Sonnenschein legten wir ab und fuhren durch ein reizvolles Revier von Stauseen, die als Speicherbecken für den Kanal dienen. Den Kanal des Kohlereviers der Saar ließen wir rechts liegen und befuhren weiter den Rhein-Marne-Kanal. Wir kamen zur Schleuse bei Réchicourt-le-Château. Diese eindrucksvolle Schleuse mit einer Höhe von immerhin 16 Metern ersetzt die einstigen 6 Schleusen und ist der Scheitelpunkt der Vogesen; d.h. von nun an ging´s bergab. In der Schleuse machten wir an einem Schwimmpoller fest und gelangten so problemlos nach unten. Ohne diese Schwimmpoller hätten wir sicherlich Probleme mit der Länge unserer Seile bekommen - 16 m Seil rauf, um den Poller und 16 m wieder runter. Und beim Aufschleusen hätte man ansonsten ja auch noch die 16 m über eine nasse rutschige Metalleiter hoch klettern müssen. Wir erhielten vom Schleusenwärter eine Fernbedienung, die uns das automatische Durchschleusen in den nächsten Schleusen ermöglichte.

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    Bei Bataville, der Schuh-Stadt (Bata-Schuhe), machten wir eine kleine Pause, fanden aber bei einem Spaziergang die Fabrik geschlossen vor. Dabei hatte Heike wohl schon auf ein neues Paar Schuhe gehofft. Auch bei dem nächsten romantischen Anlegeplätzchen hatten wir leider Pech: Am Port Sainte-Marie stand das Hotel-Restaurant zum Verkauf. Unter Berücksichtigung unserer begrenzten Vorräte wollten wir nicht bis zur Veräußerung und anschließenden Neueröffnung warten und fuhren daher weiter bis Lagarde - um festzustellen, dass dort das Hotel inklusive Bar und Restaurant ebenfalls geschlossen war.

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    Auf Nachfrage bei freundlichen Einwohnern erfuhren wir, dass es im Ort kein anderes Restaurant mehr gab. So stockten wir unsere Vorräte in einem kleinen Gemischtwarenladen am Hafen auf und bereiteten uns eine Mahlzeit an Bord unseres Bootes aus Baguette, Käse, Pastete und Rotwein selbst zu. Wir füllten außerdem unsere Wasserbestände an der Hafenanlage auf. Nach einem kleinen Nickerchen und einem Spaziergang durch den Ort vertieften wir uns ausgiebig in unsere mitgebrachte Reiselektüre.

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    4. Tag: Sonntag, den 26.04.1998

    Morgens holten wir uns die mittlerweile obligatorischen Croissants im kleinen Geschäft am Hafen. Da unser Appetit jedoch noch schlief, gab es zum Frühstück lediglich eine Tasse Kaffee, die Croissants wollten wir erst später genießen. Weil unser Urlaub leider auf nur eine Woche begrenzt war, fuhren wir wieder zurück Richtung Osten und legten zunächst am malerischen Hafen Port Sainte-Marie an um dort unser zweites Frühstück zu genießen. Die Tatsache, dass auf die Neueröffnung des Hotel-Restaurants weiterhin zu warten war, spielte nunmehr keine Rolle mehr, denn aufgrund unseres morgendlichen Einkaufs waren wir ja jetzt Selbstversorger. Weiter ging es den Kanal entlang - und diesmal den tiefen Schacht der 16 m-Schleuse bei Réchicourt-le-Château hinauf, was fast noch eindrucksvoller war als das Hinabschleusen, denn der Unterschied zu den sonst üblichen 2,6 m-Schleusen wurde hier ganz besonders deutlich.

    Schleuse Schleuse

    Auf dem Weg zu den drei großen Stauseen fing es plötzlich heftig an zu regnen. Außerdem mussten wir leider feststellen, dass das Reh, das wir bei der Herfahrt im Kanalbecken schwimmen sahen, es offensichtlich nicht geschafft hatte an Land zu gelangen und ertrunken war. Ein sehr unschöner Anblick in einer ansonsten sehr schönen Landschaft. Wir fuhren ein Stück den Saar-Kohle-Kanal hinauf und legten an einem bei schönerem Wetter sicherlich herrlichen Naturhafen an. Aufgrund des leider immer noch anhaltenden Regens machten wir nur einen kurzen Landgang und umrundeten den großen Stausee lieber nicht zu Fuß.

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    Wir fuhren bald zurück zum Rhein-Marne-Kanal, ließen kurz darauf das häßliche Zementwerk bei Héming links liegen und schipperten bei sich besserndem Wetter bis zu einem sehr schönen Anlegesteg an der Brücke von Xouaxange. Nach einem kleinen Apéritif und einer ausgiebigen Pause an Bord gingen wir hungrig in den Ort mit dem unaussprechlichen Namen, zur "Auberge du Mesnil" und kamen kugelrund nach dem folgenden Menü zum Boot zurück: delikates Hühnerfrikasse in Blätterteig-Pastete (allein die Vorspeise hatte schon die Dimension einer Hauptspeise), danach gab es eine "Monster"-Lachsschnitte mit Sahnesauce, Reis, Muscheln und Pilzen. Zum Dessert wurde uns ein riesiges Stück Apfelkuchen mit Vanillesauce, Erdbeeren und Sahne serviert. Nach einem abschließenden Espresso schleppten wir uns zu unserem Hausboot und konnten ob des vollen Magens beide lange nicht einschlafen.

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