Frankreich 1998Reisetagebuch unserer Elsaß-Lothringen-Reise vom 23.04.1998 bis zum 30.04.1998
1. Tag: Donnerstag, den 23.04.1998 Unser Sohn Arne fuhr in Urlaub zu seinen Großeltern nach Frankfurt und seine Eltern machten sich auf und davon nach Frankreich. Da beim Motor unseres nunmehr bereits 15-jährigen Audi 100 seit einigen Tagen von 5 Zylindern nur noch 4 funktionierten, der Auspuff durchlöchert war und Hydraulikflüssigkeit, Wasser und Öl auf wundersame Weise verschwanden, starteten wir mit einem nagelneuen Daewoo "Nubira" Vorführwagen vom Autohaus Bernd Schön, den wir dann später auch käuflich erworben haben. Gegen 11.00 Uhr fuhren wir in Frankfurt los. Unterwegs rasteten wir zweimal und kamen gegen 16.00 Uhr in Saverne an. Nach der Anmeldung beim Vermieter NICOLS in Saverne besichtigten wir als erstes unser gechartertes Boot "Liège".
Wir luden zunächst das Gepäck um und bekamen dann eine kurze technische Einweisung. Alexandre verließ uns schon nach wenigen 100 Metern bei der ersten Schleuse (5,43 m Höhe) mit dem vorsorglich mitgenommenen Klapprad um zurück zur Marina zu radeln, und wir fuhren gleich weiter Richtung Lutzelbourg. Kurz nach 19.30 Uhr erreichten wir die Schleuse Nr. 22 vor dem Ortseingang. Da die Schleusen in Frankreich um halb acht Uhr schließen, nutzten wir den Liegeplatz am Rande des malerischen Dorfes, das von den Ruinen einer Burg aus dem 10. Jahrhundert überragt wurde. Wir gingen zunächst in den Ort mit der Absicht einzukaufen, mussten jedoch feststellen, dass hier alle Geschäfte spätestens um 19.00 Uhr schlossen. Wir kehrten daraufhin im Restaurant des Hotels "Des Voges" ein, das seine zwei Sterne eindeutig nicht zu Unrecht trug. Nach einem Vorspeisenteller gab es Hirschpfeffer mit Beilagen, danach Rhababertorte für Heike und Creme Caramel für Klaus. Zurück auf dem Boot genossen wir noch die vom Vermieter als Willkommensgruß bereitgestellte Flasche Wein. Dann verbrachten wir unsere erste Nacht auf dem Schiff. 2. Tag: Freitag, den 24.04.1998 Da bei unserer Ankunft am Vortag bereits alle Geschäfte geschlossen hatten, mussten wir unser Frühstück am Morgen zunächst käuflich erwerben. Erst dann konnten wir unsere schicke Terrasse im Bootsheck mit Kaffee und Croissants einweihen. Danach meldeten wir unsere Weiterfahrt bei der Schleuse an. In diesem Teil des Rhein-Marne-Kanals musste man den Beginn und das Ende seiner Fahrt über eine Sprechanlage bei der Schleusenverwaltung anmelden, um dann von (automatischer) Schleuse zu Schleuse weitergereicht zu werden. Wir bewältigten zunächst 5 Schleusen (Durchschnittshöhe 2,60 m) auf zwei Kilometern. Das zeitintensive Durchschleusen in Verbindung mit dem "rasanten" Bootstempo von ca. 10 Stundenkilometern führte dazu, dass wir mit einem einheimischen Rentner, der mit seinem Dackel auf dem Treidelpfad spazieren ging, an jeder Schleuse eine Unterhaltung führen konnten. Wir kamen nach Arzviller zum Schiffshebewerk, das uns in nur 20 Minuten über 44 Meter nach oben beförderte und uns damit 17 Schleusen ersparte.
Danach ging die imposante Strecke weiter: zwei Tunnel (!) für Boote. Bisher kannten wir das nur für Autos oder Eisenbahn. Der Tunnel bei Arzviller hatte etwa 2.600 m Länge und kurz danach kam der Tunnel von Niederviller mit ca. 450 m. Die Fahrt durch die unbeleuchteten, dunklen und relativ schmalen Röhren hatte schon etwas gespenstisches. Zum Glück war die Strecke ampelgeregelt nur jeweils in eine Richtung freigegeben, denn für Gegenverkehr war hier wirklich kein Platz.
In Niederviller legten wir dann in einem kleinen Hafenbecken an und besichtigten nach einer Kaffeepause ausgiebig den Ort inklusive der interessanten Fayencefabrik "Manufacture de Niderviller" (La Faience depuis 1735), sowie einer Kirche im Barockstil. Außerdem erwarben wir bei der ortsansässigen Post eine Telefonkarte, um telefonisch Kontakt mit Deutschland aufzunehmen zu können. Allerdings zunächst vergeblich, denn es war dort keiner zuhause.
Dann fuhren wir weiter Richtung Hesse, dessen Hafen jedoch mit einer einheimischen Marina überfüllt war. Über Xouaxange, dessen Name kaum auszusprechen ist, ging es weiter nach Héming. Der Hafen dort lag kurz hinter einem fürchterlich häßlichem Zementwerk, und war folglich kein wirklich schöner Ort. Wir blieben lediglich wegen der in unseren Boots-Unterlagen angepriesenen "Auberge Alsacienne". Auf dem Weg zum Essen telefonierten wir dann doch noch mit Eckenheim. Zu Heikes Erleichterung war dort alles gut. Unser Junior berichtete uns begeistert über seinen Urlaub in Frankfurt. Wir waren den ganzen Nachmittag gefahren und hatten daher großen Hunger und gingen schnurstracks in das empfohlene Lokal. Wir hielten ein kleines Schwätzchen mit der "grande Dame" des Hauses, genossen ein vorzügliches Menü bestehend aus Weinbergschnecken als Vorspeise, Wildschweinbraten mit Beilagen als Hauptspeise und danach Heidelbeerkuchen zum Dessert. Als dann jedoch lautstark und zahlreich die Mitarbeiter einer deutsche Firma einfielen, waren wir glücklicherweise schon fertig mit dem Essen und gingen bald zurück zum Boot. Dort angekommen begannen wir sogleich unser Reisetagebuch zu schreiben und tranken dabei gemütlich einen Schluck Wein.
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