Reisetagebuch Finnland 2003



    3. Tag, Freitag, den 15.08.2003

    Mitten in der Nacht um 6.00 Uhr morgens meldete unser Bootsmann Arne seinen bis dahin sehr tief und fest schlafenden Eltern lautstark Wassereinbruch im Vorschiff. Es hatte in der Nacht angefangen zu regnen und die Fensterluke auf dem Dach seiner Kajüte war offensichtlich undicht. Schiffsführer Klaus bot zunächst seinem Nachwuchs großzügig seine eigene vorgewärmte Koje zum Weiterschlafen an. Dann machte er sich unverzüglich daran die undichte Stelle provisorisch abzudichten. Zur weiteren Beobachtung blieb er sodann sicherheitshalber höchstselbst in der Bugkajüte, aber wider Erwarten hielten sich die Undichtigkeiten in Grenzen und auch der Bootsführer konnte noch ein weiteres kleines Nickerchen halten.


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    Am darauffolgenden Morgen lösten wir das unliebsame Problem mit dem eindringenden Nass dann für die nächsten Tage, indem wir einfach die Tischplatte unseres Klapptisches vom Sonnendeck auf die Luke legten. Nebenbei wurde auch gleich noch eine kleine undichte Stelle am Suchscheinwerfer mit Hilfe einer durchsichtigen Plastiktüte abgedichtet. Schließlich lag unser Kartenmaterial in der Kabine darunter und das sollte möglichst nicht durchgeweicht werden, da von wesentlicher Bedeutung für die Weiterfahrt. Nach einem reichhaltigen Frühstück und einem kleinen Spaziergang an Land verließen wir gegen 13.00 Uhr Varkaus. Weiter ging es Richtung Nord-West durch die vielen Seen und vorbei an unzähligen Inseln und Halbinseln. Schöne Ferienhäuser säumten das Ufer, die aber größtenteils nicht (mehr) bewohnt waren, da die Haupt-Ferienzeit in Finnland Mitte August endet. Zu einem Kaffee mit Keksen hielten wir dann in dem Ort Leppävirta.

      Leppävirta wurde im Jahr 1639 eine selbstständige Gemeinde, zuvor gehörte es zur Großgemeinde Tavisalmi. Der naturschöne Wasserweg durch Leppävirta lockte bereits im 14. Jahrhundert Jäger zu dieser interessanten Gegend. Der gleiche Wasserweg dient noch heute sowohl dem Waren- als auch dem Personenverkehr durch den Saimaa-Kanal bis zum Finnischen Meerbusen. Leppävirta liegt mitten in der ostfinnischen Provinz Nord-Savo, an der Hauptstraße 5 und an der Tiefwasserstraße von Saimaa. Die Entfernung vom Zentrum nach Kuopio beträgt 52 km und nach Varkaus 24 km.

    Arne und Heike vertraten sich etwas die Beine und unternahmen dabei eine kleine Ortsbesichtigung. Derweil hielt Klaus ein Schwätzchen am Bootssteg mit einem finnischen Einheimischen, der sein Schiff für einen Wochenendausflug klar machte. Nach einer Stunde weiterer Fahrt legten wir an einem sehr romantischen Platz an. Bei der Konnuksen Kanva war neben der neuen auch noch die alte Schleuse erhalten. Diese war nicht mehr in Betrieb, sodass man dort auch für längere Zeit festmachen konnte ohne dabei den Schiffsverkehr zu behindern. Hier gab es wieder eine der häufig anzutreffenden Grillhütten, die wir sogleich in Beschlag nahmen. Da es kurz vor unserer Ankunft etwas zu regnen begonnen hatte, dauerte es ein wenig, bis wir das Feuer mit nassem Holz richtig zum Brennen gebracht hatten. Insbesondere da die bei dem Bordwerkzeug befindliche kleine Axt alles andere als scharf war. Doch Improvisation ist alles und schließlich loderten die Flammen und wir kochten unsere mitgebrachten Ravioli auf der Feuerstelle. Auf dem Gasherd im Boot wäre es sicherlich wesentlich schneller gegangen unsere Abendessen zu erhitzen, aber die Sache wäre dann sicherlich bei weitem nicht so stimmungsvoll gewesen. Nachdem wir unsere Mahlzeit gerade beendet hatten, stieß eine finnische Familie mit zwei blonden kleinen Kindern zu uns, die ihr Boot am jenseitigen Ende der Schleuse festgemacht hatten. Sie grillten ihre vorsorglich mitgebrachten Würstchen. Nachdem die vier nach geraumer Zeit zurück auf ihr Boot gegangen waren um ihre beiden Kinder zu Bett zu bringen, kam schließlich noch ein weiteres Motorboot an. Arne und Klaus versetzten daher die Palo am nahegelegenen Steg um etwa zwei Meter, um den Neuankömmlingen ausreichend Platz zu machen. Mit dem relativ kleinen Boot kamen denn dann zwei Erwachsene und zwei heranwachsende Mädchen, sowie ein mittelgroßer Mischlingshund, der es Arne besonders angetan hatte. Auch diese Familie hatte in weiser Voraussicht ihr Grillzeug dabei und legte mehrere Steaks auf. Allerdings fing es nunmehr immer stärker an zu regnen, sodass wir es denn dann doch vorzogen zurück an Bord zu gehen. Außerdem hatte Bootsmann Arne bei seinen diversen Erkundungen in der Umgegend feuchte Schuhe und Hosen bekommen, weil er durch nasse Wiesen lief. Weitere nächtliche Wassereinbrüche im Boot waren jedoch glücklicherweise nicht zu vermelden, da die Tischplatte über der undichten Fensterluke lag.


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