Reisetagebuch Finnland 2003



    2. Tag, Donnerstag, den 14.08.2003

    Bei sehr warmen Wetter mit nur wenigen Wolken am Himmel nahmen wir unseren ersten Morgentee auf dem Sonnendeck ein. Unser freundlicher Bootsvermieter kam auch zur Marina, denn er musste noch ein anderes Boot putzen und für den nächsten Mieter fertig machen. Zuvor brachte er uns noch eine spezielle Rettungsweste für unseren Knaben und nach einem kurzen Plausch ging es ab auf große Fahrt... Immer Richtung Nord-West, an unzähligen Inseln vorbei, durch herrliche Landschaft und unendliche Weiten Finnlands.


    Finnland


      Das Seengebiet des Saimaa ist ein Labyrinth aus großen und kleinen Seen, Buchten, Inseln und Halbinseln, die manchmal durch ruhige, aber andererseits auch stromschnellenreiche Flüsse oder durch Schleusen und kurze Kanaldurchstiche verbunden sind. Es ist nicht nur die größte zusammenhängende Seenplatte Finnlands, sondern ganz Europas. Das Gebiet hat eine Gesamtfläche von 1.700 Quadratkilometern und eine Uferlänge von 13.700 km. Die Gewässer bilden in Ost-West-Ausrichtung eine knapp 400 km lange Kette. Die östlichen Ausläufer der Seenplatte reichen bis an die Grenze der ehemaligen UDSSR, ihre westlichen bis weit in die Landesmitte hinein. Es gibt mehr als 70 Anlegerhäfen, unzählige Ankerstellen und über 3.000 km markierte Wasserstrecken.

    Mit dem vom Charterunternehmen gestellten ausführlichen Kartenmaterial an Bord machte uns die Navigation keinerlei Schwierigkeiten. Obwohl der Motorkreuzer nur eine Schraube als Antrieb hatte und nicht über den Luxus eines Bugstrahlruders verfügte, war das Manövrieren trotz der relativ hohen Aufbauten auch bei aufkommendem Wind kein Problem. Allerdings passierte Bootsführer Klaus schon am ersten Tag alsbald ein erstes kleines Missgeschick. Er steuerte bei herrlichem Wetter die Motoryacht vom Steuerstand auf dem Sonnendeck aus, vor sich auf dem Kabinendach diverses Kartenmaterial liegend. Ein kurzer aber heftiger Windstoß beförderte ganz unverhofft eine Kartenübersicht von Anker- und Anlegeplätzen der finnischen Seenplatte im hohen Bogen ins Wasser. Zwar war das Teil noch für einen Moment auf der Wasseroberfläche schwimmend zu sehen, doch auch ein unverzüglich eingeleitetes "Mann-über-Bord-Manöver" konnte es leider nicht mehr vor dem Untergang retten. Aber so hatten wir zumindest einmal dieses in der Praxis so wichtige Bootsmanöver für den Notfall geübt. Hoffentlich wird ein solcher Ernstfall nie eintreten. Nach etwa 6 Stunden ohne weitere Vorkommnise erreichten wir Varkaus. Zur Erinnerung: diese Strecke waren wir am Vortag mit der Propellermaschine der "Golden Air" in knapp zwanzig Minuten geflogen!

      Die Stadt Varkaus liegt 320 km nordöstlich von Helsinki und hat ca. 25.000 Einwohner. Der große Waldbestand um Varkaus ist die Grundlage für eine moderne holzverarbeitende Industrie mit Sägewerken, Zellstoff-, Kartonagen- und Papierfabriken sowie nachgeschalteten Druckereien. Ein weiterer großer Industriezweig dieser Stadt ist der Kraftwerksbau und die Elektrizitätserzeugung. Ein sehr gut ausgebautes Forstwesen sorgt dafür, den hohen Holzverbrauch auch für die Zukunft abzusichern. Für Einwohner und Gäste ist Varkaus ein Wintersportparadies, aber auch im Sommer bieten die zahlreichen Seen um Varkaus Erholung bei Wassersport und beim Angeln.


    Finnland Finnland


    Bevor wir mit unserem Boot in den Gästehafen von Varkaus einlaufen konnten, mussten wir zunächst unsere erste Schleuse in Finnland bewältigen und danach einen Schlepper, der ein riesiges Floß mit Baumstämmen zog, passieren lassen. Am Rand des Hafenbeckens wuchsen unzählige Seerosen, es gab eine kleine Grillhütte, einen Kiosk und eine Tankstelle für Motorboote. Unser Bootsmann Arne wollte unbedingt sein ebenfalls beim Charterbetrieb gemietetes Fahrrad ausprobieren und so machten wir alsbald einen kleinen Ausflug zum nächstgelegenen Einkaufszentrum der nahegelegnen Stadt. Nach dem Abendessen an Bord unternahmen wir noch einen ausgedehnten Spaziergang im Hafen mit Besichtigung des örtlichen Rettungskreuzers. Rettungsboote sind in dieser Gegend sehr häufig anzutreffen, da viele Wochenendhäuser ausschließlich über den Wasserweg erreichbar sind. Vor dem Schlafengehen saß Klaus noch eine ganze Weile auf dem Sonnendeck, blickte in die untergehende Sonne und auf das spiegelnde Wasser im Hafenbecken, das stillzustehen schien und sich damit im offenkundigen Einklang mit seinem persönlichen Geisteszustand befand.


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