Berlin (D) 2010Reisetagebuch unserer Berlin-Reise vom 11.10.2010 bis zum 22.10.2010
1. Tag: Montag, den 11.10.2010 Kurz nach 9.00 Uhr war die gesamte fünfköpfige Mannschaft in Offenbach versammelt. Bei etwas kühlem aber sonnigem Oktoberwetter sollte unsere Reise losgehen. Die Kofferprozession brach um 9.30 Uhr zum S-Bahnhof Offenbach-Ost auf. Die S-Bahn kam pünktlich, so dass wir zum Umsteigen in Hanau genügend Zeit hatten. Dort mussten wir 20 Minuten länger als ursprünglich geplant auf den ICE nach Berlin warten, der nicht nur verspätet war, sondern seine Waggons auch noch in umgekehrter Wagenreihenfolge hatte. Mit dieser Möglichkeit hatten wir aber bereits gerechnet und daher die entsprechende Anzeige am Bahnsteig beachtet. So standen wir am richtigen Bahnsteigabschnitt, als der lang ersehnte Zug endlich einfuhr.
Da wir erster Klasse gebucht hatten, war es eine sehr angenehme Bahnfahrt mit ausreichend Platz, und wir nahmen alle auch gerne den bequemen Am-Sitzplatz-Service in Anspruch, um uns mit Imbiss und Getränken versorgen zu lassen. Das entsprechende First-Class-Bahnticket gab es im Internet zum Schnäppchenpreis von 146,- Euro für fünf Personen. Man muss nur frühzeitig genug buchen. Durch die Änderung der Wagenreihenfolge waren zwar unsere reservierten Plätze nunmehr gegen die Fahrtrichtung gelegen, was Opa Hans und Enkel Arne doch sehr missfiel. Aber der Großraumbereich unseres Waggons war zum Glück nicht voll besetzt und es gab daher ausreichend alternative freie Plätze. Die Verspätung holte der ICE auf der Fahrt nach Berlin allerdings nicht mehr ein, so dass wir unseren Anschlusszug im Berliner Hauptbahnhof verpassten. Glücklicherweise verkehrten nach Potsdam aber auch noch zahlreiche S-Bahnen, so dass wir nur eine halbe Stunde später als geplant an unserem Zielort ankamen.
Mit zwei Taxen fuhren wir vom Potsdamer Hauptbahnhof zur Marina von Le Boat (Crown Blue Line), wo wir schon erwartet wurden. Unser reserviertes Charterboot war bereits übernahmebereit, die üblichen Formalitäten schnell erledigt. Der freundliche Mitarbeiter des Vercharterers machte eine Kopie des hier erforderlichen Bootsführerscheins von Schiffsführer Klaus und erläuterte uns dann kurz die Technik des Bootes.
Unser Boot Magnifique 586 war nach den Bootspapieren Baujahr 2004 und soll laut Internetseite von Le Boat im Jahr 2010 ausgiebig modernisiert worden sein. Nun denn, äußerlich waren allerdings so einige "Kampfspuren" vorheriger Mieter der vergangenen Saison deutlich zu erkennen.
Und auch bei der Ausstattung des Bootes war nicht mehr alles völlig in Ordnung. Sei es der oftmals widerspenstige Backofen, dessen Klappe nur schwer auf, die Flamme aber um so öfter aus ging. Lampen im Salon, die nicht immer alle brannten, bis hin zu Kleinigkeiten wie dem defekten Weinflaschenöffner. Bei den Leinen an Bord hatte man nicht nur mit der Anzahl (4) sondern teilweise auch mit dessen Länge gespart, was nicht unbedingt beim Anlegen, aber beim Schleusen durchaus kritische Situationen bewirken könnte. Der Drehzahlmesser auf dem oberen Steuerstand war wegen des vielen Kondenswassers im Inneren nicht wirklich gut ablesbar, was es nicht einfacher machte die vielen örtlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten. Das Auf- und Abschließen der beiden Schiebetüren nach außen war eine ziemlich hakelige Sache, und die Fensterluke in der Vorderkabine ließ sich nicht verriegeln. Im Grunde eine Art Einladung für Einbrecher. Andererseits gab es einen abschließbaren Tresor an Bord. Sehr unschön war auch der fehlende Hebel der Handankerwinde. Letzteren haben wir aus Sicherheitsgründen vor unserer Abfahrt bei einem der Nachbarboote "ausgeliehen". Es wäre zweifelsohne ziemlich doof gewesen, wenn wir aus irgendwelchen Gründen hätten ankern müssen oder wollen, um dann später den Anker nicht mehr hoch zu bekommen. Wir hatten den Mitarbeiter des Vermieters zwar sogleich auf das fehlende Teil angesprochen, er hatte es aber offensichtlich vergessen als er Feierabend machte. Am nächsten Tag ward er dann vor unserer Abfahrt nicht mehr gesehen. Ob er überhaupt da war, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Mikrowelle konnte nach Angabe des Technikers nur bei Landstrom benutzt werden. Das haben wir jedoch nie ausprobiert.
Die Kabinenverteilung verlief erst mal völlig unproblematisch, sollte sich aber im Laufe der Zeit noch ändern. Es war in Berlin und Potsdam ziemlich trübe und auch merklich kühler als zuhause im Rhein-Main-Gebiet. Aber schockieren tat uns das bis dato noch nicht, da die Wettervorhersage aus dem Internet vor unserer Abfahrt ja so viel Gutes verhieß. Nicht weit von der Marina gab es mehrere gute Einkaufsmöglichkeiten, so dass wir nach einiger Zeit mit einem vollbepackten Einkaufswagen an den Steg zurückfuhren, alles an Bord trugen und die beiden Kühlschränke füllen konnten. Wir besorgten uns beim Hafenmeister des Yachthafens Potsdam einen Schlüssel gegen Kaution, damit wir auch des Nachts auf das Hafengelände gelangen konnten. Zunächst hatten wir angedacht, zum Abendessen in die nahegelegene Pizzeria am Hafen einzukehren, aber das Sommerlokal hatte bereits geschlossen. Daher aßen wir belegte Brote an Bord und planten die bevorstehende Route für die ersten Tage.
Trotz Landstromanschluss und mit Diesel betriebener Standheizung wurde es wegen des kühlen Wetters in der Nacht doch ziemlich kalt an Bord unserer Charteryacht. Wir stellen fest, dass die Lautstärke der Heizung leider umgekehrt proportional zur Heizleistung stand. Das Teil war zwar irgendwie merklich laut, aber so wirklich warm wurde es damit nicht wirklich. In den beiden hinteren Schlafkabinen konnte man zwar noch ein halbwegs warmes Lüftchen aus der Austrittsöffnung der Heizungsanlage verspüren. Im Salon war es dann schon eher lau, doch in den beiden vorderen Kabinen kam so gut wie nichts mehr an, was man auch nur ansatzweise hätte warm nennen können. |